„und ich wohne 5 minuten von hier“

Alissa Ritter & Lilith Mader

Kommentar

Alissa Ritter und Lilith Mader:

und ich wohne 5 minuten von hier
2021
Bedruckte Meshgewebeplane an Bauzaun
200 x 350 cm 

 

 Zeitraum: 20.11. bis 03.12.

 

Die Arbeit zeigt einen Text, der sich aus verschiedenen Stimmen zusammensetzt, die in einen imaginären Dialog treten. Anwohner_innen des Viertels unterhalten sich über Orte, die Geschichte des Viertels und damit verbundene Erinnerungen, empfundene Grenzen und Alltagsmomente. Der Text greift biografische und kollektive Erinnerungen auf und beschäftigt sich mit der Frage wie Raum gestaltet wird, was ein Viertel ausmacht und wie es entsteht. 

Wie gliedert sich öffentlicher Raum in Aufenthalts- und Begegnungsorte? 

Wie verändern sich Geschichten über einen Ort und wie verändern diese Geschichten die Wahrnehmung der Menschen, die diesen Ort bewohnen, besuchen oder von außen betrachten? 

Die Erzählfragmente zeichnen ein ephemeres Bild des Ortes. Ein Bauzaun mitten in der Stadt, lässt einen Leerraum entstehen, einen gefühlten Raum, ein Gedanken-Konstrukt. Dieser Raum steht stellvertretend für einen universellen Ort, der durch Begegnung mit Bedeutung besetzt wird. Das halbtransparente Textil fungiert als durchlässige Grenze, als Membran, die Inneres mit Äußerem, Gegenwärtiges mit Vergangenem, Erinnertes mit Erzähltem verbindet. Die Textfragmente lassen erahnen, dass es sich um Geschichten handelt, die ausnahmslos subjektive Perspektiven auf einen Ort darstellen – Geschichten, die sich überschneiden, widersprechen und fortgeführt werden. 

Eine Geschichte, die noch nicht zu Ende erzählt ist, die von Erinnerungen lebt und von denen die sie erzählen. Betrachter_innen werden dazu angehalten Geschichten in ihrer Subjektivität zu hinterfragen und ihre Dissonanz zu akzeptieren. 

Die in Lohberg aufgenommenen Fotografien dienen als Textkommentar. 

Unser Dank gilt folgenden Personen, die uns einen intimen Einblick ins Viertel gewährt haben. 

Gülsüm Yigit, Dominik Goyke, Björn Klomp, Gisela Schrör, Janet Rauch, der Praktikantin, dem „Priester“, den Kaffetrinkern, den Biertrinker_innen und allen anderen Begegnungen im Viertel. 

Alissa Ritter:

Alissa Ritter ist 1995 in Duisburg als Kind einer Handwerker:innenfamilie geboren und im Alter von neun Jahren nach Dinslaken gezogen. Nach dem Abitur hat sie zunächst ein Lehramtsstudium in den Fächern Kunst und Englisch an der Universität Duisburg-Essen begonnen und studiert seit 2020 freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professorin Yesim Akdeniz und Konrad Dedobbeleer. 

In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich medienübergreifend mit unterschiedlichen Momenten der Erinnerung von Dingen und Orten. Malerei, Textil und mediale Installationen stehen dabei im Zentrum ihres Schaffens. Die Erzählungen und Erinnerungsgeflechte sind dabei oftmals von der Biografie der Künstlerin und einem Bewusstsein über Klasse und Zugehörigkeit geprägt.

Lilith Mader:

Lilith Mader ist aufgewachsen in Alpen und studiert seit 2017  Kunst und Französisch auf Lehramt an der Universität Duisburg-Essen. Sie lebt und arbeitet aktuell in Düsseldorf, wo sie unter anderem als Sprachlehrerin für Deutsch als Zweitsprache tätig ist. In ihrer künstlerischen Arbeit nutzt sie Malerei, Fotografie und Video, um die Frage zu ergründen, wie Geschichten und „Großstadtmärchen“ entstehen. Besonders interessiert sie dabei die Auseinandersetzung mit verschiedenen Ausprägungen gelebter Erinnerungskultur und die damit verbundene Erschließung neuer Repräsentationsformen.

Alissa Ritter und Lilith Mader arbeiten seit 2017 immer wieder als Kollektiv und beschäftigen sich gemeinsam intensiv mit Alltagsmomenten.


© 2021 ERRORART. ALL RIGHTS RESERVED.